bullet2  Wie soll ich Überbeanspruchung vermeiden?

Überbeanspruchung vermeiden

Grundsätze und Bedingungen für Arbeit und Belastung, sowohl körperlicher als auch geistiger Art, die für jeden Menschen gelten; jedoch insbesondere für Poliomyelitis-Vorgeschädigte und vor allem auch für Menschen, die bereits am Post-Polio-Syndrom leiden.

Erste Bedingung:

1. Jegliche Arbeit langsam angehen, sowohl körperliche als auch geistige Arbeit! Das ist eine sehr wichtige Regel, um Leistungsfähigkeit und Gesundheit und Wohlbefinden lange zu erhalten. Also: Langsam einarbeiten!

Zweite Bedingung:

2. Richtiges Maß und Rhythmus der Arbeit. Sowohl ein zu hoher als auch ein zu geringer Rhythmus können nachteilig und ermüdend sein. Ein Spaziergang mit Kindern bewirkt schneller eine Ermüdung für Erwachsene. Das Langsamgehen der Erwachsenen stört wiederum die Kinder. Es ist eben das richtige Maß der Belastung erforderlich.

Dritte Bedingung:

3. Arbeit muß folgerichtig und systematisch sein. Das bedeutet man muß planvoll und vorausschauend arbeiten.

Vierte Bedingung:

4. Arbeit und Erholung müssen in richtigem Wechsel erfolgen. Unorganisierte, spontane Arbeitsbelastungen können schädlich sein, und mit Ermüdung, Erschöpfung und Apathie enden.

Fünfte Bedingung:

5. Folgerichtiges, regelmäßiges und systematisches Üben und Fertigkeitenentwicklung machen Arbeit erfolgreich, leichter und weniger beanspruchend.

Sechste Bedingung:

6. Vernünftige Einstellung der Gesellschaft, der Arbeitgeber zur Arbeit ist nicht nur notwendig für hohe Arbeitsproduktivität und Arbeitsleistung, sondern vor allem für Gesundheit und Schaffenskraft und Wohlbefinden des Arbeitenden.

Was tun, wenn sich der Körper meldet?

Nehmen Sie Ihre Körpersignale ernst ! Zwingen Sie sich nicht zu vermehrter Leistung, wenn Ermüdungserscheinungen auftreten ! „Mit vermehrtem Willenseinsatz und Motivation kann man sich kaputt machen!!!“ Körperliche Anstrengung darf nicht die Schmerzgrenze erreichen.

Körperliche Anstrengung darf nicht die Schmerzgrenze erreichen. Bei einer kurzfristigen Muskelbelastung, die nicht zu vermeiden ist, unbedingt längere Ruhepausen eingelegen: hinsetzen !

Beachten Sie Gefahrenquellen in Ihrer Wohnung oder am Arbeitsplatz, rutschende Teppiche, glatte Schuhsohlen auf Parkett, Stolperschwellen oder gewagte Klettereien, etwa beim Fensterputzen oder im Garten.

Haben Sie keine falsche Scham, seien sie nicht zu eitel, einen Gehstock, einen Rollstuhl oder eine Atemhilfe zu nutzen. Bekennen Sie sich zu Ihrer Behinderung und meiden Sie überflüssige Anstrengungen. Auch für kurze Gehstrecken ist ein Gehstock eine gute Hilfe.

Überprüfen Sie Ihren Lebensstil ! Eine Lebensstiländerung bedeutet auch ein Mehr an moderater Bewegung z.B. in einer Rehabilitations- oder Behindertensportgruppe. Gymnastik sollte sehr vorsichtig betrieben werden, kein Krafttraining ! Schwimmen ist die beste Ausdauerübung, doch nicht in zu kaltem Wasser ! Jede Übung ist sofort abzubrechen, wenn Schmerzen empfunden werden.

Lebenstiländerung bedeutet auch gesunde Ernährung.

Gehen Sie davon aus, dass Ihr Arzt das Post-Polio-Syndrom nicht kennt ! Haben Sie den Mut, ihren Hausarzt zu beraten, das heißt, ihn für dieses Thema zu sensibilisieren. Er wird sich dann schon kundig machen. Zu lange ist es her, als daß die heutigen jüngeren Mediziner die Poliomyelitis, geschweige denn das Post-Polio-Syndrom gesehen haben . . . . . glücklicherweise . . . . .